von Horst Beckmann

Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend in Pommern 1926 - 1945

Horst Beckmann verfügte schon als Kind über eine besondere Beobachtungsgabe. Seine Anekdoten aus den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts führen uns nach Stargard im damaligen Pommern. Gleichwohl hätten sie sich in jeder deutschen Kleinstadt ereignen können. Sie widerspiegeln eindrucksvoll und oft voller Humor jene Jahre, in denen die„Moderne“ ihren Einzug hielt und den damals alten Menschen oft arg zu schaffen machte.

Die Großeltern der 1850er Jahrgänge waren noch tief verwurzelt in der Kaiserzeit. In den Geschäftshäusern der Handwerkerfamilien gehörten sie zum „Hausinventar“ und hatten traditionell Mitspracherechte. Das Telefon, das Radio, der elektrische Strom und auch das Auto waren zum Beispiel in den Augen der Beckmann-Großmutter „Teufelszeug“. Und so war es nicht verwunderlich, dass es in der Großfamilie hin und wieder zu Konflikten kam.

Die Geschichten aus der „guten alten Zeit“ werden viele ältere Leser, aber auch deren Kinder und Enkel erfreuen und ihnen ein Schmunzeln entlocken.

Man spürt in diesem kleinen Hardcoverbüchlein, dass wir es nicht mit keinem professionellen Autor zu tun haben, aber es vermittelt sehr gut einen Einblick in eine Zeit, die uns so weit weg ist, wie eine Reise ins nächste Sonnensystem.

Das Büchlein wurde im März 2011 geschrieben, zumindest das Vorwort. Die Erinnerungen fangen im Jahr 1921 an, da war Horst Beckmann noch gar nicht geboren. Denn es sind Erzählungen, die ihm seine Oma erzählt hat und die er gerne im Gedächtnis behalten hat. Wie das eben so ist, wenn man eine geliebte Oma hat und viel Zeit mit ihr verbringt. Mir ging es mit meinen Großeltern ähnlich.

Wir haben hier 23 Kapitel vor uns, die sich über einen Zeitraum von 19 Jahren oder mehr erstrecken. Es wird uns eine Zeit beschrieben, die so weit weg scheint, wie das große römische Reich. Und eine Zeit, die wir nicht vergessen sollten, von der aber anscheinend wieder einige unbelehrbare Menschen diese gerne zurück haben möchten, was hoffentlich niemals passiert. Gespickt mit Anekdoten, die wir uns gar nicht mehr vorstellen können, wie die erste Autofahrt der Oma, oder der erste Flug der Mutter. Oder auch die Einführung eines Telefons in jedem Haushalt. Oder, was uns heute etwas näher ist, die Probleme des Herrn Beckmann mit der modernen Zeit und einem Computer.

Ich selbst habe meine Kindheit in den 1960er Jahren verbracht. Und noch kann ich mit der modernen Zeit mithalten, aber ich merke auch bei mir, dass es Dinge gibt, die mir inzwischen schon einmal schwerfallen. Von daher kann ich die Gefühle des Herren Beckmann sehr gut nachvollziehen.

Mir hat das Schwelgen in diesen alten Erinnerungen Spaß gemacht und ich fand es, trotz einiger schriftstellerischer Mängel, sehr unterhaltsam. Es hat mir eine Zeit vor Augen geführt, die einerseits sehr lang vorbei scheint und andererseits wieder bedrohlich am Horizont herauf leuchtet. Erinnerungen sind nicht immer nur schlecht oder nur gut, sondern sie müssen vernünftig betrachtet werden.

Kleiner Nachtrag: Horst Beckmann, geboren 1926 in Stargard in Pommern, ist evangelisch-lutherischer Pfarrer. Bis 1950 war er Gemeinde- und Strafvollzugspfarrer in Bremerhaven. Von 1975 bis 1989 war er Gemeindepastor in Hagenburg am Steinhuder Meer. Er ist Autor verschiedener theologischer Bücher und Schriften. Horst Beckmann lebt heute (zum Zeitpunkt der Ausgabe) im Ruhrgebiet in Stadthagen am Steinhuder Meer.

Laut Angaben müsste er, wenn er noch lebte, 98 Jahre alt sein. Zu Zeitpunkt der Veröffentlichung war er bereits 85.


Original TitelHorst Beckmann - Aus Großmutters Zeiten
Medium gebundene Ausgabe
Buch Genre Sachbuch
Erscheinungjahr2011
Verlag/LabelZeitgut Verlag
AutorHorst Beckmann
ISBN/Asin978-3-86614-182-7
Seitenzahl125